Informationen zur Finanztransaktionssteuer

Die Kritik, die die Idee der Tobinsteuer erfahren ist, ist vielseitig, betrifft aber im wesentlichen drei Themenkomplexe:

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Die weltweite Einführung und die Offshore-Finanzpläte

Die Tobinsteuer ist von James Tobin als eine idealtypische Steuer entwickelt worden. Und hierin liegt auch ihr größter Kritikpunkt: Die Tobinsteuer ist nur dann sinnvoll, wenn sie in einem weltweiten Kontext eingeführt wird, da nur dann nicht die Gefahr von Ausweichtransaktionen besteht: Wenn nur einzelne Märkte, und seien es auch die derzeit wichtigsten Finanzmärkte der Weltwirtschaft, eingeführt wird, würden der Devisenhandel bzw. die betroffenen Finanzhandelssparten umgehend in „tobin-freie“ Offshore-Finanzplätze ausweichen um sich sich dadurch der Regulierung durch die Tobinsteuer zu entziehen. Eine solche weltweite Einführung ist allerdings noch nicht einmal im Ansatz zu erkennen, auch wenn aktuell etwa die Europäische Union einen Vorschlag zur Einführung einer entsprechenden Finanztransaktionssteuer für den Europäischen Wirtschaftsraum vorgelegt hat.

 

Die Erhöhung der Wechselkurs-Volatilität

Betrachtet man die derzeitige Funktion der Devisenmärkte, so fällt auf, das der Arbitragehandel – also der kurzfristige Devisenhandel mit kleinen Gewinnspannen – nicht nur auf Ungleichgewichte an den Devisenmärkten spekuliert, sondern diese auch Ungleichgewichte zumindest in einem gewissen Umfang auch egalisieren kann.

Eine Untersuchung an der Pariser Börse (Harald Hau, The Role of Transaction Costs for Financial Volatility, 2005) belegt insoweit einen empirischen Zusammenhang zwischen den Transaktionskosten (bzw. ihrer Höhe) und der Volatilität der jeweiligen Kurse.

Mit Einführung der Tobinsteuer soll aber gerade dieser Arbitragehandel reduziert werden, so dass die Einführung der Tobinsteuer auf diesem Wege Wechselkursschwankungen zumindest kurzfristig auch erhöhen kann.

 

Senkung der im Markt befindlichen Liquidität

Spekulanten bringen dem jeweiligen Markt nicht nur Nachteile, sondern insbesondere auch Liquidität. Und sie sorgen auch dafür, dass die „normalen“ Marktteilnehmer für ihre Finanzmarktgeschäfte regelmäßig auf einen Handelspartner treffen.

Wird durch die Einführung der Tobinsteuer der Arbitragehandel gestört, so würde hierdurch – gewünscht – die Zahl der Spekulanten und der Umfang der Spekulationsgeschäfte sinken und hierdurch dem Finanzmarkt Liquidität entzogen.

In der Folge wären für „normale“ Marktteilnehmer höhere Transaktionskosten zu erwarten.

Ob diese Kritikpunkte wirklich gegen die Einführung der Tobinsteuer sprechen, mag jeder selbst für sich entscheiden. Sicherlich werden die Transaktionskosten steigen. Andererseits sinken Spekulationsrisiken. Was hiervon höher wiegt, ist bisher nicht ausgemacht.