Informationen zur Finanztransaktionssteuer

1centTobin-Steuer?

Finanzmarkttransaktionssteuer?

Finanztransaktionssteuer?

Alle diese Begriffe bezeichnen im Grunde die gleiche Idee: nämlich eine im Jahr 1972 von dem Wirtschaftswissenschaftler James Tobin vorgeschlagene Finanztransaktionssteuer auf internationale Devisengeschäfte. Tobin schlug vor, sämtliche internationalen Devisentransaktionen mit einer niedrigen Steuer zu belegen, welche die Realwirtschaft kaum belastet, durch die jedoch kurzfristige Spekulationen auf Währungsschwankungen eingedämmt werden sollten.

Tobins Ziel war es hierbei zu erreichen, dass die Wechselkurse weniger auf kurzfristige spekulative Erwartungen reagierten, sondern vielmehr langfristige realwirtschaftliche Phänomene abbildeten.

Die Idee Tobins blieb lange Zeit ohne größeren Widerhall. Dies änderte sich jedoch 25 Jahre später, als Ignacio Ramonet 1997 diese Idee in der „Le Monde Diplomatique“ aufgriff und damit den Anstoß zur Gründung von „attac“ gehabt. Seitdem ist die Taubensteuer eine zentrale Forderung in der Bewegung der Globalisierungskritiker – ganz im Gegensatz zum ursprünglichen Willen ihres Erfinders James Tobin, der sich Zeit seines Lebens für den freien Welthandel einsetzte.

Wie funktioniert nun die Tobin-Steuer?

Nach der Idee von Tobin sollte auf alle grenzüberschreitende Geldtransfers weltweit einheitlich eine Steuer mit einem Steuersatz zwischen 0,05 % und 1 % erhoben werden.

Aufgrund dieses geringen Steuersatzes wäre die Steuer für herkömmliche Devisengeschäfte – also etwa für Zahlungen im internationalen Warenhandel oder für Direktinvestitionen in einem anderen Land – vernachlässigbar. In all diesen Fällen wäre die anfallende Steuer im Verhältnis zu den sonstigen bei den Transaktion anfallenden Kosten und zu den Gewinnen nicht weiter von Bedeutung.

Anders sähe dies jedoch bei spekulativen Transfers wie etwa beim Daytrading aus, bei denen auf geringe und kurzfristige Schwankungen von Kursen gesetzt wird. Hier würde dieTobinsteuer trotz ihrer geringen Höhe die im Verhältnis zum Kapitaleinsatz oftmals nur niedrigen Gewinne neutralisieren und so die Spekulation in vielen Fällen wirtschaftlich unattraktiv werden lassen.

Ein Beispiel hierzu: im Jahre 1996 waren nach einer Erhebung von James Tobin (Tobin, James (1996) Prologue. In: ul Haq, Kaul, Grunberg (Eds.) Tobin Tax. New York, S. xi) über 80 % der weltweiten Devisentransaktionen „round-trips“, die in höchstens einer Woche zwischen zwei Währungen hin und her pendelten. Bei zwei Transaktionen pro Woche (Hinwechseln in die Spekualtionswährung und Zurückwechseln in die Ausgangswährung) und einer angenommenen Tobin-Steuer in Höhe von nur 0,1 % pro Transaktion würde sich die Belastung aufs Jahr gesehen auf (1 – (1-0,001)52 = 4,88 % belaufen. Damit würden durch diese Tobin-Steuer auch mit einem solch geringen Steuersatz bereits eine Vielzahl von Devisenspekulationsgeschäften wirtschaftlich nicht mehr erfolgreich – will sagen: Gewinn bringend – beendet werden können.

Noch deutlicher wird dies, wenn man ein Daytrading zugrunde legt: Ausgehend von einer Transaktion pro Tag in die Spekulationswährung und wieder zurück ergäbe sich bei fünf Arbeitstagen die Woche bereits eine jährliche Belastung von rechnerisch 40,56 %.