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Ein weiterer Kritikpunkt an der Tobinsteuer betrifft ihre Wirksamkeit zur Vermeidung von Währungskrisen.

CIMG0320So behaupten ihre Kritiker, dass auch die Tobinsteuer auf den Verlauf realer Währungskrisen keinen nennenswerten Einfluss ausüben könne, da bei solchen Währungskrisen in der Vergangenheit stets so starke Schwankungen im relativen Wert der verschiedenen Währungen auftraten, dass die Tobinsteuer aufgrund ihres niedrigen Steuersatzes auf die hierbei möglichen exorbitanten Gewinne oder Verluste keine mäßigende Wirkung mehr entfalten könne. Die möglichen Gewinne sind in einer solchen Situation einfach zu hoch, als dass eine moderate Tobinsteuer diese Spekulation unattraktiv werden lassen könnte.

Diese Kritik betrifft freilich nur bereits eingetretene weltwirtschaftliche Extremsituationen, deren Eintritt die Tobinsteuer ja gerade zu vermeiden trachtet. Darüber hinaus kann diese Kritik die Tobinsteuer nur in ihrer ursprünglichen Form treffen, Modifikationen wie etwa die „Spahn-Steuer“ versuchen ja gerade, auch für diesen Extremfall einen Regulierungsmechanismus zur Verfügung zu stellen.

Darüber hinaus ist die Tobinsteuer aber auch Gegenstand einer fundamentalen Kritik: So wird es von einigen Marktliberalen als nicht sinnvoll angesehen, überhaupt Kapitalverkehrskontrollen – und seien sie auch in Form einer Tobinsteuer – zur Vermeidung von Währungskrisen einzuführen. Währungskrisen, so die hinter dieser Kritik stehende Auffassung, sind regelmäßig die Folge einer verfehlten Wirtschaftspolitik und brechen sich stets ihre Bahn, allen Kontrollen zu Trotz.

Im Prinzip ist diese Kritik allerdings eine petitio principii: Hier steht „Wir glauben an die Mächte des Marktes und lehnen jeden Eingriff ab“ gegen die Auffassung „Der Markt bedarf einer Regulierung, damit seine Funktionsfähigkeit erhalten bleibt.“ Wenn uns die Geschichte aber eins gelehrt hat, dann das, dass derartige „reine Lehren“ noch nie anhaltend Krisen haben verhindern können. Der freie Markt ist nun einmal kein Wert an sich, sondern ein Mittel zur bestmöglichen Allokation von Gütern. Und er bedarf daher in bestimmten Situationen auch der Regulierung.

Diese Kritik wurde lange Jahre – auch während der Währungskrisen der letzten Jahre – auch vom Internationalen Währungsfonds geteilt – während er in der heutigen Krise sich in seinen Ansichten zu Kapitalverkehrskontrollen deutlich zurückhaltender artikuliert.